Verdun - champ de bataille 1914-1918
23. Februar 2008

Exkursion nach Verdun

Kein Gebiet symbolisiert wohl eindeutiger die Brutalität des 1. Weltkriegs als die Umgebung Verduns. Die heute, Gott sei Dank, unerschütterlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich erreichten hier einen ihrer Tiefpunkte. Auf den ehemaligen Schlachtfeldern lässt sich die absolute Notwendigkeit der deutsch-französischen Partnerschaft wohl am besten begreifen.
So zog es Ende Februar 2008 eine dreiköpfige Delegation von Niedland Historik an diesen bedeutenden Ort.

Unsere erste Station war das Fort Vaux, der nordöstliche Eckpfeiler der Befestigungsanlage von Verdun. Diese Anlage leistete noch heftigen Widerstand, als das Fort Douaumont schon gefallen war. Innerhalb der Festung kam es zu erbitterten Kämpfen Mann gegen Mann. Schließlich musste der französische Major Raynal aufgeben, und das Fort fiel den Deutschen in die Hände. Weltbekannt wurde diese Anlage durch die letzte Brieftaube des Major Raynal. Schwer verletzt erreichte sie ihr Ziel, mit der Botschaft der aussichtslosen Lage der französischen Fortbesatzung. Daraufhin erlag sie ihren Verletzungen. Für diese Heldentat wurde die Taube mit einem hohen Verdienstorden ausgezeichnet.
Wie deutlich sichtbar die Folgen des Krieges noch heute sind, beweist unser zufälliger Fund der Überreste einer Handgranate, nur wenige Meter vom Eingang des Fort Vaux entfernt. Dies zeigte uns wieder einmal, dass im Gegensatz zu Deutschland, im Lande der Grande Nation Warnschilder nicht grundlos aufgestellt werden.

Die Umgebung von Souville war unsere nächste Station. Hier befand sich ein neuralgischer Punkt, da die Hügel das letzte Hindernis der Deutschen auf dem Weg nach Verdun darstellten. Folglich fanden dort 1916 die härtesten Kämpfe statt. Es gelang den Deutschen aber nicht Souville einzunehmen. Im Anschluss an die deutsche Offensive erfolgte dann die große Offensive der Alliierten an der Somme.
Wir wanderten auf gut ausgeschilderten Wegen und waren beeindruckt von der Vielzahl der anzutreffenden Befestigungen. Erstaunlich war dabei, dass fast alle Anlagen frei zugänglich waren, und keinerlei Sicherungen aufwiesen. Voller Bewunderung nahmen wir diese, für Deutschland unvorstellbare, Gegebenheit zur Kenntnis.

Den nächsten Halt auf unserer Exkursion bildete das komplett zerstörte Fleury-devant-Douaumont. Das ehemals 400 Einwohner zählende Dorf wurde komplett dem Erdboden gleichgemacht. Wo früher Häuser standen, erinnern heute Gedenksteine an die Geschehnisse. Fleury nahm eine Schlüsselstellung auf dem Weg nach Verdun ein, und wechselte im Kampfverlauf 16 mal den Besitzer. Des Weiteren bemerkenswert ist die Tatsache, dass Fleury rechtlich als Dorf noch existiert, nur über keinen Bürgermeister verfügt.

Als nächstes Ziel stand das wohl bekannteste Monument Verduns auf unserer Agenda: Das Beinhaus mit dem großen Militärfriedhof. In diesem Beinhaus lagern die Gebeine von 130000 deutschen und französischen Soldaten. Auf dem Friedhof sind 15000 identifizierte Franzosen beigesetzt.
Das zuvor trübe Wetter, welches gut zu unserer nachdenklichen Stimmung passte, und zudem vom „Schlachtenlärm“ einer in der Nähe stattfindenden Treibjagd untermalt wurde, wich allmählich strahlendem Sonnenschein. Zusammen mit lautstark aus ihrem südlichen Exil zurückkehrenden Zugvögeln veranschaulichten uns diese Gegebenheiten die Vergänglichkeit des Seins. Vor dem Beinhaus befindet sich die Stelle, an der der französische Präsident Francois Mitterrand und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl 1984 Arm in Arm der Gefallenen gedachten. Dieses Bild ging um die Welt und steht wie kaum ein anderes für die deutsch-französische Aussöhnung.

Weiter ging es zum Fort Douaumont. Dieses Fort wurde von den Deutschen als Schlüsselposition des Festungswalls angesehen und entsprechend umkämpft. Aufgrund seiner erhöhten Lage ermöglichte es eine Beobachtung des Kampfgeschehens. Die enormen Beschädigungen vermitteln einen Eindruck davon, wie erbittert um diese Anlage gerungen wurde.
Die letzte Station unserer Exkursion bildete die Besichtigung der sehenswerten Stadt Verdun. Wir flanierten durch die bemerkenswerte Altstadt mit dem Siegerdenkmal an der alten Stadtmauer und betrachteten das bischöfliche Palais und die Kathedrale „Unserer Lieben Frau“.

Unter allerlei Eindrücken machten wir uns auf den Heimweg, wo uns, mittlerweile wieder in Reichweite heimatlicher Radiosender, die Nachricht von den bisher schwersten Grubenbeben der deutschen Geschichte ereilte. Dies bedeutete wohl das Ende des saarländischen Bergbaus. So entging uns, die wir auf den Pfaden der Weltgeschichte wandelten, ein Teil unserer Regionalgeschichte. Wir waren nicht traurig darüber.

Text: Christian Braun
Fotos: Julian Magin