Die Maginotlinie, ursprünglich "Ligne de Fortification Est" (Befestigungslinie Ost), ist ein Verteidigungsgürtel entlang der frz. Grenze vom Atlantik bis nach Korsika. Ihr Schwerpunkt liegt in Elsass-Lothringen mit 58 Befestigungsanlagen.
Da man sich in Frankreich wegen der beiden vorangegangen Kriege (1870/71 dt.-frz. Krieg und 1914 - ´18 Erster Weltkrieg) vor einem erneuten deutschen Angriff schützen wollte, trat Kriegsminister André Maginot für den Bau einer Verteidigungslinie entlang der Grenze ein. Entworfen unter der Oberaufsicht von General Guillaumat, erstreckte sich die Bauphase von 1927 bis 1936. Die Kosten waren gigantisch, was dazu führte, dass einige Anlagen kleiner als geplant errichtet wurden (Gesamtkosten: 5 Milliarden alte frz. Franc).
Die Verteidigungslinie ist aufgebaut aus kleineren (petits ouvrages) und großen (gros ouvrages) Befestigungsanlagen in Abständen von etwa 7 bis 10 Kilometer. Zwischen diesen Befestigungsanlagen gibt es allein stehende Bunker, Unterstände und Panzerabwehrstellungen um die Lücken zu füllen und Truppenbewegungen zu ermöglichen. Im Hinterland waren große Depots eingerichtet, um die Bunker und ihre Besatzungen zu versorgen. Aufklärungsaufgaben wurden von Beobachtungsblöcken übernommen, in denen man entweder in einer Beobachtungskuppel oder durch ein Periskop die Umgebung beobachten konnte. Größtenteils sind die Anlagen unterirdisch angelegt. Die großen Werke reichen bis 7 Stockwerke unter die Erde. Die unterste Sohle liegt häufig bei 100 m Tiefe. Die einzelnen Kampfblöcke einer Anlage waren unterirdisch miteinander verbunden. In den großen Artilleriewerken wurde der Munitionstransport im Tunnelsystem durch elektrische Schmalspurbahnen realisiert. Neben den Kampfblöcken existieren in einer großen Anlage Schlaf-, Wasch- und Speiseräume, Küchen, ein Maschinenraum, in dem mit Dieselgeneratoren Strom erzeugt wird, ein Lazarett, eine Kommunikationszentrale.
Folgende Bewaffnung wies die Maginotlinie auf: MGs vom Typ Reibel Kaliber 7,5 mm in Schießscharten und in Kuppeln, Panzerabwehrkanonen Kaliber 37 und 45 mm, Panzerabwehrkanonen Kaliber 75 mm in Panzerdrehtürmen und in Schießscharten von Kasematten, Mörser Kaliber 50 mm in Kuppeln und Kasematten, Mörser Kaliber 80 mm in Panzerdrehtürmen und Kasematten und Granatwerfer Kaliber 135 mm in Panzerdrehtürmen und Kasematten. Die Panzerdrehtürme mit einem Gewicht von bis zu 60 Tonnen konnten in den Boden versenkt und elektrisch beliebig gedreht werden.
Die Maginotlinie wurde 1940 von den deutschen Truppen zunächst unter Verletzung der belgischen und niederländischen Neutralität umgangen und hielt später der beweglichen dt. Kriegsführung (Sturzkampfbomber, Luftlandetruppen u.a.) nicht stand. Einige Anlagen ergaben sich jedoch erst auf Befehl der frz. Regierung.
Das Verteidigungssystem wurde unterteilt in "Régions fortifiées" und diese wiederum in "Secteurs fortifiés". Hier sehen sie Karte über die Sektoreneinteilung in Nordostfrankreich.